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“Der Tod gehört einfach dazu”

In der Altenpflege gehört der Tod ganz natürlich dazu. Für die meisten Menschen ist die stationäre Einrichtung die letzte Adresse, in der sie in ihrem Leben wohnen. Doch obwohl der Tod ein Teil der Lebens ist, fällt es uns manchmal schwer, darüber zu sprechen. Aus diesem Grund haben wir in der Reihe “Wir werden alle sterben – lass uns reden” in der Zeit bis zum Totensonntag verschiedene Menschen zu ihrem Verhältnis zum Tod befragt.

Anja Kahle arbeitet als Betreuungskraft in der Hahne Residenz „Haus der Ruhe“ in Meyenfeld. Ihre Aufgabe ist es, für ein abwechslungsreiches Programm zu sorgen, bei dem die Bewohner Spaß haben und gefördert werden. Doch auch das Sterben ist immer wieder auf unterschiedliche Weise Thema bei den pflegebedürftigen Menschen.

“Du darfst jetzt gehen”

Anja berichtet, dass zum einen die Bewohner selbst in der letzten Lebensphase sind, aber sie auch von vielen gleichaltrigen Freunden immer wieder Abschied nehmen müssen. Und viele der Senioren sind schon sehr lange verheiratet, bis einer von ihnen früher stirbt. „Wir hatten ein Ehepaar, wo deutlich war, dass die Frau im Sterben liegt. Aber sie konnte nicht richtig gehen. Der Mann wollte das erst nicht wahrhaben. Irgendwann ist er zu ihr ans Bett gegangen und hat zu seiner Frau gesagt: ‘Du hast dich dein ganzes Leben lang um mich gekümmert, aber das brauchst du jetzt nicht mehr. Das machen jetzt die Leute hier, die kümmern sich um mich. Du darfst gehen.’ Und es hat nicht lange gedauert, dann ist sie gestorben.“

Solche Geschichten berühren Anja, aber es sei eine schöne Aufgabe, die Menschen dabei zu begleiten. Besonders schön sei es, wenn die Menschen sich mit ihrer Lebenssituation versöhnen können.

Das ganze Interview gibt es hier als Video.

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Das Schicksal, seinen Ehepartner zu verlieren, hat auch Bewohner Herr Bußmann erlebt. Er ist im April zusammen mit seiner Frau ins “Haus der Ruhe” eingezogen und im Oktober musste er Abschied von ihr nehmen. Dieses Gespräch vier Wochen nach ihrem Tod helfe ihm, die Trauer zu verarbeiten, sagt er.

 
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Als er 17 Jahre alt war, habe sich Herr Bußmann in seine spätere Frau verliebt, sieben Jahre später heirateten die beiden. In diesem November wären es der 64. Hochzeitstag gewesen. 

Als es soweit war, holten die Pflegekräfte ihn ans Bett seiner Frau. “Ich habe mich dann bei ihr hingesetzt und habe die letzte halbe Stunde ihre Hand gehalten. Es ist sehr eigenartig, wenn mit einem Mal ein Mensch nicht mehr atmet.” Als die Mitarbeiter ihn fragen, ob er die kommende Nacht in einem anderen Zimmer schlafen möchte, verneint er. Er will die letzte Nacht in der Nähe seiner Frau verbringen. Auch wenn sie gestorben war, habe sie ausgesehen, als schlafe sie.

Inzwischen lebt Herr Bußmann in einem Einzelzimmer und er sei auf seinem neuen Wohnbereich sehr glücklich, sagt er. “Ich habe zwar noch die tiefe Trauer in mir, die wird wohl so schnell nicht vergehen.” Trost gäben ihm dabei auch die Gespräche mit dem Seelsorger in den Hahne Residenzen, Pastor Gundlack. Herr Bußmann hoffe, dass seine Frau nun bei Gott sei und es ihr gutgehe. “Und sie bleibt ganz allein in meinem Herzen – ein Leben lang. So ist es. Ich habe wirklich sehr schöne Jahre mit meiner Familie verlebt, davon möchte ich nicht eine Sekunde missen.”

Auf die Frage, was Herr Bußmann über seinen eigenen Tod denkt, reagiert er entspannt: “Wenn er kommt, ist er da. Wir wissen doch alle, dass wir irgendwann gehen müssen.”

In der Reihe “Wir müssen alle sterben – lass uns reden” sind verschiedene Interviews entstanden. Weitere Videos und Artikel finden Sie auf den Kanälen der Hahne Holding, Hahne Pflegedienst und Hahne Tagespflege.